Über Grüne, Piraten, Kant und braunes Gedankengut - aber eigentlich über uns alle
Zur Zeit gibt es viel Aufregung um ein Interview das Andreas Popp, Vizechef der Piratenpartei, der “Jungen Freiheit” gegeben hat. Viele kritisieren Herrn Popp dafür, dass er einem “rechten Magazin” ein Interview gegeben hat. Inzwischen sind mehrere Sachen passiert: Andreas Popp ruderte zurück “er habe nicht genau gewusst was das für ein Magazin sei”, verschiedene Blogger versuchen dem Interview etwas Positives abzugewinnen und politische Gegner, allen voran Anhänger der Grünen, versuchen die Piratenpartei allgemein in die rechte Ecke zu schieben.
Man kann sich zu all diesen Ereignissen eine Meinung bilden, aber irgendwo wird man immer anecken. Ich persönlich finde die Zeitungsauswahl von Herrn Popp sehr unvorsichtig, ich teile jedoch den Grundgedanken der Piratenpartei und nicht immer gleich die Aussagen mancher Piraten. Viel mehr stört mich der Seitenhieb der Grünen Anhänger.
Denn der Kampf zwischen Piraten und Grünen findet nur auf Wählerstimmenebene statt. Würden beide Parteien für einen Moment die Augen von den Umfragewerten nehmen und sich gegenseitig anblicken, würden sie verstehen, dass es falsch ist den jeweils anderen niederzumachen. Um klar zu machen was ich meine möchte ich ein Zitat von Kant von 1784 (Epoche der Aufklärung) bringen, das etwas länger und nicht ganz einfach zu verstehen ist, aber klarmacht, dass beide Parteien eigentlich Seite an Seite, ungeachtet von vergangenen Differenzen, kämpfen sollten:
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbst verschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. “Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!” ist also Wahlspruch der Aufklärung.
Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen […] dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. […]
Es ist also für jeden einzelnen Menschen schwer, sich aus der ihm beinahe zur Natur gewordenen Unmündigkeit herauszuarbeiten. Er hat sogar lieb gewonnen und ist vorderhand wirklich unfähig, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, weil man ihn niemals den Versuch davon machen ließ.
Seitdem sind 225 Jahre vergangen und wir sind inzwischen mündig und wir sind auch nichtmehr feige. “Sapere aude! - Habe den Mut, deinen Verstand zu benutzen!” Das ist der gemeinsame Spruch, den sowohl Piraten als auch Grüne auf ihren Fahnen tragen. Viele andere Parteien sind nicht so mutig, und trauen ihren Wählern nicht so viel zu! Jede der beiden Parteien mag für jemanden Reize haben aber auch Punkte, die sie unwählbar für den ein oder anderen machen. Doch bei einem bin ich mir sicher: Grüne und Piraten kämpfen im Kern für die gleiche Sache. Und wenn wir alle unseren Verstand einschalten dann gibt es in Zukunft keine Chance, dass sich Grüne nicht gegen Bürgerrechtsbeschneidungen aussprechen, und es gibt auch keine Chance, dass braunes Gedankengut Bestandteil der Piratenpartei wird.
In diesem Sinne: Wir müssen Seite an Seite kämpfen und uns mit Verstand dafür einsetzen, dass Leute wie Schäuble, von der Leyen und wie sie alle heißen den Bürger nicht weiter für dumm verkaufen können! Es geht nicht um Parteien und ob man sie mag oder nicht, oder ob sich eine gerade einen Fehltritt geleistet hat oder nicht; Es geht um die Sache und die ist bei Piraten und Grünen die selbe: Mehr Bürgerrechte und für eine Zukunft mit Verstand!
1 month ago


